Kommunale Wärmeplanung in Kusterdingen – Abschlussbericht vorgestellt
Am 24. September 2025 wurde im Gemeinderat Kusterdingen der Abschlussbericht zur kommunalen Wärmeplanung vorgestellt. Der Bericht wurde in enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Tübingen und weiteren Fachinstitutionen erarbeitet.
Daniel Rudolph, Leiter der Abteilung Energiedienstleistungen betonte, dass es sich bei der kommunalen Wärmeplanung nicht um einen detaillierten Bauplan handelt, sondern um eine Strategie für die kommenden Jahre. Ziel sei es, die Wärmewende einzuleiten, Handlungsspielräume aufzuzeigen und erste Schritte in Richtung Klimaneutralität einzuleiten.
Ausgangslage in Kusterdingen
Die Bestandsaufnahme zeigt:
- 2.700 beheizte Gebäude im Gemeindegebiet,
- ein jährlicher Wärmeverbrauch von rund 90.000 Megawattstunden,
- davon 71 % fossil erzeugt,
- rund 80 % private Gebäude,
- jährliche Treibhausgasemissionen von etwa 20.000 Tonnen CO₂-Äquivalenten.
Durch konsequente Sanierungen ließe sich der Wärmebedarf fast halbieren: Einsparungen von bis zu 43.000 MWh pro Jahr sind möglich.
Szenarien und Teilgebiete
Das Gemeindegebiet wurde in 55 Teilgebiete untergliedert.
Ein Neubaugebiet südlich der Waldsiedlung weist schon heute eine fast vollständig erneuerbare Wärmeversorgung (Wärmepumpen, Holzheizungen) auf.
Drei Hauptgebiete sind für Wärmenetze geeignet:
- Bannholz,
- Bruckenäcker mit Schulzentrum,
- Ortskern Kusterdingen.
- Ergänzend wird auch ein Cluster in Wankheim geprüft, wo Biogasanlagen genutzt werden könnten.
In allen übrigen Bereichen sind individuelle Lösungen wie Wärmepumpen oder Holzheizungen vorgesehen.
Wärmewendestrategie bis 2045
Die Planung geht davon aus, dass sich die Wärmeversorgung langfristig wie folgt entwickeln wird:
- 40 % Holz-basiert,
- 60 % durch Wärmepumpen.
Weitere zentrale Elemente sind:
- energetische Gebäudesanierungen,
- Heizungserneuerungen gemäß gesetzlichen Vorgaben,
- Ausbau des Stromnetze
- Nutzung lokaler Biomasse,
- die Vorbildfunktion der Gemeinde mit eigenen Gebäuden,
- die Umsetzung bedarfsgerechter Wärmenetze
Für die Gemeinde gilt das Ziel, bereits bis 2040 klimaneutral in den eigenen Liegenschaften zu werden.
Kommunikation und Bürgerbeteiligung
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger. Vorgesehen sind Informationsabende, Beratungsangebote, Präsenz bei Bürgerversammlungen und gemeinsame Projekte mit lokalen Gruppen wie der Lokalen Agendagruppe Härten.
Der Bericht empfiehlt eine klare Kommunikationsstrategie, die auf Information, Vertrauen und Motivation setzt, um private Gebäudeeigentümer zu Sanierungen und Heizungstausch zu bewegen.
Rolle von Wasserstoff
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ein Wasserstoffnetz für Kusterdingen nicht sinnvoll ist. Grund sind die fehlende Infrastruktur und die derzeit nicht geplante Umstellung durch den Gasversorger. Wasserstoff wird künftig vor allem in der Industrie und für größere Verbraucher gebraucht, nicht in der dezentralen Wärmeversorgung.
Fazit
Mit dem Abschlussbericht liegt Kusterdingen nun eine klare Wärmestrategie vor. Die nächsten Schritte umfassen die Planung erster Wärmenetze, verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und die Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen.
Die Wärmewende wird nur gelingen, wenn alle – Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft – zusammenarbeiten. Besonders wichtig ist, dass die Gemeinde mit ihren eigenen Gebäuden vorangeht und die Bürgerinnen und Bürger gut informiert in den Prozess einbindet.
Hinweis:
Das Sanierungsmanasgement Kusterdingen-Nord und die kommunale Wärmeplanung in Kusterdingen sind zwei getrennte, aber eng miteinander verknüpfte Projekte. Während das Sanierungsmanagement konkrete Maßnahmen im Quartier umsetzt, entwickelt die kommunale Wärmeplanung – federführend durch die Stadtwerke Tübingen – eine übergreifende Strategie für das gesamte Gemeindegebiet. Beide Projekte verfolgen das gemeinsame Ziel, die Wärmeversorgung in Kusterdingen langfristig klimaneutral zu gestalten.
